Galle Erkrankungen beim Hund – Gallenblasensludge

Gallen Erkrankungen beim Hund – Gallenblasensludge

Galle und Erkrankungen – unsere persönlichen Erfahrungen

Toby, unser Malteser, war acht Jahre alt, als es losging. Eigentlich wirkte er immer fit. Nur zwischendurch hatte er weniger Appetit, erbrach Schleim und schien Bauchschmerzen zu haben.

Wir haben ein großes Blutbild machen lassen. Die Laborwerte waren deutlich erhöht: Bilirubin, ALT (GPT), ALP (alkalische Phosphatase) und GGT. In einer Tierklinik wurden die Werte ausgewertet und ein Ultraschall gemacht. Die Diagnose lautete Gallenblasensludge.

Was ist Gallenblasensludge?

Gallenschlamm, so heißt der Sludge auch, entwickelt sich schleichend. Die Galle soll eigentlich flüssig sein und bei der Fettverdauung helfen. Beim Sludge wird sie zäh und schleimig, manchmal fast gelartig. Dieser Schleim setzt sich in der Gallenblase fest und kann den Abfluss in den Darm behindern.

Die Leber produziert ständig Gallenflüssigkeit. Die Gallenblase speichert sie und gibt sie beim Fressen über die Gallengänge in den Dünndarm ab. Ist alles in Ordnung, fließt die Galle dünnflüssig und ohne Widerstand.

Bleibt der zähe Schleim länger liegen, kann es ernst werden:

  • Gallensteine: Mineralstoffe lagern sich im Schleim an und verhärten.
  • Gallenblasenmukozele: Die Gallenblase füllt sich ganz mit einer klebrigen, unbeweglichen Masse, dehnt sich zu stark und verliert ihre Funktion.

Wie entsteht Gallenschlamm?

Meist steckt nicht nur eine Ursache dahinter. Oft spielen mehrere Dinge zusammen.

Gestörte Zusammensetzung der Galle. Galle besteht aus Wasser, Gallensalzen, Cholesterin und Bilirubin, einem Abbauprodukt des Blutfarbstoffs. Gerät dieses Mischungsverhältnis durcheinander, etwa durch zu viel Cholesterin oder durch Entzündungsstoffe, können die Gallensalze die Fette nicht mehr gelöst halten. Feste Bestandteile fallen aus und verbinden sich mit dem Schleim der Gallenblasenwand. So entsteht der Schlamm.

Schwache Entleerung. Nach dem Fressen muss sich die Gallenblase kräftig zusammenziehen, um sich ganz zu leeren. Tut sie das zu schwach oder zu selten, bleibt die Galle zu lange drin. Die Gallenblasenwand entzieht ihr nach und nach Wasser, und die Galle dickt immer weiter ein.

Hormonelle und Stoffwechselerkrankungen. Einige Grunderkrankungen verändern die Galle:

  • Cushing-Syndrom: Der dauerhaft erhöhte Cortisolspiegel verändert den Fettstoffwechsel und begünstigt schleimige Galle.
  • Schilddrüsenunterfunktion: Der Stoffwechsel läuft langsamer, die Blutfettwerte steigen oft, und die Galle wird zähflüssiger.
  • Diabetes mellitus: Der gestörte Fett- und Zuckerstoffwechsel belastet Leber und Gallenwege.
  • Dyslipidämie: Dauerhaft erhöhte Cholesterin- oder Triglyzeridwerte lagern sich auch in der Galle ab.

Rasse und Veranlagung. Manche Rassen sind bekanntermaßen anfälliger, zum Beispiel Shetland Sheepdogs, Zwergschnauzer und Cocker Spaniel. Bei Shelties kennt man sogar eine Genmutation (ABCB4), die den Transport wichtiger Gallensalze stört, sodass die Galle früh verklumpt.

Symptome: Vom Zufallsfund bis zum Notfall

Am Anfang macht Gallenschlamm kaum Beschwerden, und genau das macht ihn tückisch. Oft bleibt er jahrelang unbemerkt, während der Schleim immer fester wird. Manchmal fällt er nur zufällig auf, wenn die Tierärztin oder der Tierarzt aus anderem Grund einen Bauchultraschall macht.

Erst wenn der Schleim die Ausführungsgänge verlegt oder die Gallenblasenwand reizt, zeigen sich Symptome:

  • Wiederkehrendes Erbrechen: gelbliche Galle oder Schleim, besonders auf nüchternen Magen
  • Fressunlust: Dein Hund frisst nur widerwillig oder verweigert sein Futter ganz
  • Apathie: auffällige Trägheit, wenig Interesse, Bewegungsunlust
  • Bauchschmerzen: Der vordere Bauch ist berührungsempfindlich oder angespannt. Manche Hunde nehmen die „Gebetsstellung“ ein, Vorderkörper flach am Boden, Hinterteil oben.
  • Gelbsucht (Ikterus): Kann die Galle nicht mehr abfließen, staut sich Bilirubin im Blut. Augen, Zahnfleisch, Ohrinnenseiten und die Haut am Bauch färben sich dann gelb.

Mögliche Komplikationen

Löst sich die Stauung nicht, kann es schwerwiegend werden:

  • Gallengangsobstruktion: Ein Schleimpfropf verschließt den Hauptgallengang ganz. Durch den Rückstau wird die Leber stark geschädigt.
  • Gallenblasenentzündung (Cholezystitis): Durch Stau und Dehnung entzündet sich die Wand der Gallenblase, bakteriell oder ohne Bakterien.
  • Gallenblasenruptur und Bauchfellentzündung: Reißt die überdehnte, entzündete Wand ein, gelangt der aggressive Inhalt in die Bauchhöhle. Das ist akut lebensgefährlich und muss sofort operiert werden.

Diagnose

Sicher feststellen lässt sich Sludge über Ultraschall und Blutwerte:

  • Ultraschall: Gesunde Galle erscheint im Bild gleichmäßig schwarz. Sludge sieht man als graue Masse, die sich am Boden der Gallenblase absetzt. Außerdem prüft die Tierärztin oder der Tierarzt, ob die Wand verdickt ist und ob Hinweise auf eine Mukozele vorliegen.
  • Blutbild: Untersucht werden Leber- und Gallenwerte (ALT, GLDH, AP, GGT, Bilirubin), außerdem Blutfette und Entzündungswerte. Erhöhte Werte zeigen, ob schon Leberzellen geschädigt sind oder ein Rückstau besteht.

Behandlung und Fütterung

Solange kein Gallengang verstopft ist und die Gallenblase nicht gerissen ist, wird Gallenschlamm in der Regel ohne Operation behandelt. Ziel ist, die Galle wieder dünnflüssig zu machen und den Abfluss zu erleichtern.

Medikamente und Präparate

  • Ursodeoxycholsäure (Ursodiol): Das ist das Standardmittel bei Gallenschlamm. Die Säure verdrängt schädliche Gallensäuren, regt die Gallenbildung der Leber an und verflüssigt den zähen Schleim nach und nach.
  • Leberunterstützende Mittel: Mariendistel (Silymarin) soll die Leberzellen schützen, Artischockenextrakt den Gallefluss anregen.

Fütterung

  • Fettarmes Futter: Viel Fett zwingt die Gallenblase zu starken Kontraktionen gegen den zähen Schleim. Fettreduziertes Futter entlastet sie.
  • Keine fettigen Leckerlis und Reste: Wurst, Speck, Hühnerhaut, fetter Käse und fettige Kauartikel wie Schweineohren, Pansen oder Rinderkopfhaut sind tabu. Als Kausnack passen magere Sachen wie getrocknete Pferde- oder Kaninchensehnen.
  • Mehrere kleine Mahlzeiten: Drei bis vier kleine Portionen über den Tag verteilt sorgen dafür, dass nicht auf einmal viel Galle gebraucht wird.
  • Mehr Flüssigkeit: Nassfutter ist besser als Trockenfutter. Zusätzlich kannst du das Futter mit lauwarmem Wasser anrühren.

Unsere Erfahrung mit Toby

Als die Diagnose feststand, bekam Toby zwei Dinge: Ursodeoxycholsäure und ein Mariendistel-Präparat mit hohem Mariendistelanteil und weiteren Zusatzstoffen. Dazu haben wir sein Futter auf fettarme Kost umgestellt.

Schon nach wenigen Tagen ging es ihm spürbar besser. Außerdem schied er mit dem Kot häufig Schleim aus. Der Tierarzt erklärte uns, das sei normal und sogar erwünscht, weil sich der Schleim so löst und ausgeschieden wird.

Entscheidend ist, dass der Gallensludge im Ultraschall erkannt wird und man dann konsequent dranbleibt: Ursodeoxycholsäure, ein passendes Mariendistel-Präparat und fettarme Ernährung, alles zusammen.

Bei der Kontrolle per Ultraschall zeigte sich, dass der Gallenschlamm inzwischen gut abfließt. Eine Stauung in der Gallenblase war nicht mehr zu sehen.

Worauf du bei deinem Hund achten solltest

Wenn sich dein Hund verändert, nimm das ernst. Typische Anzeichen sind:

  • Appetitlosigkeit oder deutlich weniger Appetit
  • Erbrechen
  • Bauchschmerzen
  • Unwohlsein, besonders nach dem Fressen
  • Mattigkeit oder ungewöhnliche Müdigkeit
  • Durchfall
  • Fieber
  • aufgeblähter oder gespannter Bauch
  • schnellere Atmung oder erhöhter Puls
  • vermehrtes Trinken und Urinieren
  • Gelbfärbung von Augen, Zahnfleisch oder Haut

Der erste Schritt ist immer der Gang zur Tierärztin oder zum Tierarzt. Lass ein Blutbild machen und einen Ultraschall. Medikamente und Nahrungsergänzungen solltest du nur nach Absprache mit der Praxis geben.

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